Vergütungsstähle sind unlegierte und niedrig legierte Edelstähle mit einem Kohlenstoffgehalt von 0,2 % bis 0,6 %. Legierte Sorten enthalten auch Chrom, Nickel und Molybdän. Vergütungsstähle der BGH zeichnen sich durch eine hervorragende Kombination von Festigkeit und Zähigkeit aus. Durch die hoher Härte und Festigkeit dieser Stähle gepaart mit ihrer guten Duktilität sind Vergütungsstähle insbesondere für hochbeanspruchte Anwendungen im Maschinen- und Getriebebau geeignet.
Zweistufige Wärmebehandlung
Das namensgebende Vergüten der Stähle erfolgt in einem zweistufigen Wärmebehandlungsprozess. Beim ersten Schritt, dem Austenitisieren, wird der Stahl klassisch oder induktiv bis auf ca. 900 °C erwärmt und nachfolgend rasch im Wasser-, Öl- oder Polymerbad gehärtet. Im zweiten Schritt wird das Material angelassen, um die geforderten mechanischen Eigenschaften einzustellen - üblich sind Anlasstemperaturen von 500 - 700 °C. Durch das Härten und Anlassen entsteht ein feines und homogenes Gefüge.
Härten im Wasserbad
Eigenschaften
Vergütungsstähle der BGH überzeugen durch ihre hohe Dauer- und Zugfestigkeit bei gleichbleibender Zähigkeit. Diese Eigenschaftskombination macht sie besonders geeignet für Anwendungen wie Ritzel- und Nockenwellen, Spindeln, Zahnräder, andere Getriebe- und Motorenteile, Werkzeuge, Verbindungs- und Befestigungselemente oder Sicherheitsbolzen.
Vergütungsstähle der BGH werden auf unseren modernen Wärmebehandlungsanlagen - klassisch oder induktiv - gefertigt. Dies in Kombination mit dem Know-How unserer Mitarbeiter garantieren die Einhaltung enger Prozessfenster und eine exakte Temperaturführung zum Erreichen der geforderten mechanisch-technologischen Eigenschaften.
Spezielle Einzelstabvergütung für höchste Anforderungen
Die induktiven Einzelstabvergütung ist ein spezieller Prozess des Vergütens, bei dem jeder einzelne Stab separat behandelt wird. Dies ermöglicht eine hochpräzise Kontrolle der Wärmebehandlung und somit der Eigenschaften des jeweiligen Stabs. Die bei BGH induktiv wärmebehandelten Stäbe zeichnen sich durch beste Homogenität in Bezug auf die mechanischen Eigenschaften aus - sowohl innerhalb eines Stabes als auch innerhalb des gesamten Wärmebehandlungsloses. Zudem sind sie frei von Eigenspannungen - unerlässlich für hochpräzise und ausfallsichere Bauteile.
Induktive Einzelstabvergütung
Säulen/Zuganker für den Pressenbau
Im Pressenbau zählen maximale Festigkeit, Zähigkeit und dauerhafte Maßstabilität zu den entscheidenden Faktoren – insbesondere bei Säulen, Zugankern und hochbelasteten Rahmenkomponenten.
Werkstoffe wie 1.6580, 1.6582 und 1.7225 bieten dafür die optimale Grundlage und gewährleisten eine zuverlässige Funktion selbst unter enormen Kräften und zyklischer Belastung.
Der Vergütungsstahl 1.6580 (30CrNiMo8) überzeugt durch höchste Festigkeit, exzellente Zähigkeit und herausragende Durchhärtbarkeit, wodurch er sich besonders gut für große Querschnitte massiv beanspruchter Bauteile eignet.
Als Alternative für stark dynamisch belastete Bauteile mit etwas niedrigerer Festigkeit kommt der geringer legierte 1.6582 (34CrNiMo6) zum Einsatz.
Eine robuste und wirtschaftliche Alternative für Standardanwendungen ist der Werkstoff 1.7225 (42CrMo4).
Alle Werkstoffe sind dank ihrer hohen Zug- und Dauerfestigkeit sowie der sehr guten Verschleißbeständigkeit ideal für Kraftübertragungskomponenten, Spann- und Zugsysteme sowie strukturtragende Bauteile, die gleichzeitig Härtbarkeit und Zähigkeit erfordern.
Gemeinsam bilden diese Werkstoffe ein Portfolio, das den Anforderungen moderner Pressen – von Hochdrucksäulen bis Zugankern im Dauerbetrieb – optimal gerecht wird. Ihre Belastbarkeit, Verformungsresistenz und Langzeitstabilität machen sie zur ersten Wahl für leistungsstarke und sichere Konstruktionen im anspruchsvollen Anlagenbau.
Geschmiedete und fertigbearbeitete Säulen aus 1.6580 (30CrNiMo8)
Tieflochgeschmiedete Hoch- und Höchstdruckrohre
In der LDPE‑Produktion herrschen einzigartige Bedingungen: extreme Drücke, hohe Temperaturen, langanhaltende Lastwechsel und höchste Anforderungen an Materialstabilität. Genau hier beweisen die hochlegierten Vergütungsstähle 1.6580 und 1.6952 ihre besondere Leistungsfähigkeit.
1.6580 (30CrNiMo8) kombiniert sehr hohe Festigkeit, ausgezeichnete Zähigkeit und eine überragende Durchhärtbarkeit, wodurch der Werkstoff auch in großen Wandstärken eine gleichmäßige, belastbare Struktur behält. Daher ist er besonders geeignet für Bauteile mit hohen dynamischen Lasten wie sie im polymerchemischen Anlagenbau verwendet werden.
Der speziell legierte 1.6952 (24NiCrMoV14‑6) wurde für extrem hoch beanspruchte Drucksysteme entwickelt. Seine Ni‑Cr‑Mo‑V‑Legierung sorgt nicht nur für eine außergewöhnliche Festigkeit und Zähigkeit, sondern macht den Werkstoff widerstandsfähig gegen Temperaturversprödung und für den Einsatz in einem breiten Temperaturfenster von ca. – 40 °C bis +300 °C geeignet.
Mit diesen Eigenschaften gehören 1.6580 und 1.6952 zu den leistungsfähigsten Werkstoffoptionen für die LDPE‑Verarbeitung, in der Zuverlässigkeit, Materialreserven und Sicherheit höchste Priorität haben. Ihre Kombination aus Festigkeit, Warmzähigkeit und Strukturstabilität ermöglicht einen hochsicheren Betrieb selbst unter den extremsten Prozessbedingungen.
Tieflochgeschmiedete Rohre der BGH aus 1.6952 (24NiCrMoV14‑6) sorgen für Sicherheit und Prozessstabilität in der LDPE-Herstellung
Getriebe und Verzahnungsmodule
In modernen Turbogetrieben zählt jeder Mikrometer: extreme Drehzahlen, höchste Leistungsdichten und maximale Wirkungsgrade verlangen Werkstoffe, die Belastbarkeit, Verschleißfestigkeit und thermische Stabilität perfekt vereinen. Genau hier spielen Vergütungsstähle wie 1.6580, 1.6582, 1.7225 und 1.7227 ihre Stärken aus.
Der hochfeste Vergütungsstahl 1.6580 (30CrNiMo8) bietet außergewöhnliche Zähigkeit, hohe Festigkeit und eine sehr gute Durchhärtbarkeit, selbst bei großen Querschnitten. Damit eignet er sich ideal für hochbelastete Getriebekomponenten, wie sie im Turbinen‑, Generator‑ und schweren Maschinenbau zum Einsatz kommen.
Als Standardwerkstoff für etwas geringere Anforderungen an Festigkeit und Einhärtetiefe überzeugt der 1.7225 (42CrMo4) durch hohe Zähigkeit, ausgezeichnete Festigkeit, sehr gute Härtbarkeit und Verschleißfestigkeit – entscheidende Kriterien für Zahnradstufen, Wellen und Kraftübertragungskomponenten in Hochleistungsgetrieben, die dauerhaft höchste Drehmomente übertragen müssen. Mit der "Werkstofffamilie" 1.7218, 1.7220, 1.7225 und 1.7228 bieten sich zudem auf den jeweiligen Anwendungsfall optimal zugeschnittene Werkstoffe, die das Portfolio ergänzen.
Werkstoffe der BGH Edelstahl ermöglichen höchste Effizienz und Zuverlässigkeit in anspruchsvollen Industrien wie Energieerzeugung, Petrochemie, Schifffahrt, erneuerbaren Energien und moderner Fertigung.
Verzahnungsmodule aus 1.6582 (34CrNiMo6) der BGH Edelstahl sorgen für verlässliche Kraftübertragung in Getrieben.
Sicherheitsbolzen und Läufe für die Wehrtechnik
Wenn es um maximale Betriebssicherheit bei extremer Beanspruchung geht, setzt der Vergütungsstahl 1.6959 (35NiCrMoV12‑5) Maßstäbe:
Im Kranbau bewährt er sich als Sicherheitsbolzen – genau dort, wo hohe Lasten, Schwingungen und wechselnde Temperaturen kompromisslose Zuverlässigkeit verlangen.
Gleichzeitig ist 1.6959 in der Wehrtechnik als Rohrstahl für schwere Geschütze (Läufe) etabliert. Die Werkstoff‑Leistungsnorm bestätigt seine Eignung für Hochdruck‑Rohrsysteme mit streng definierten chemischen und mechanischen Eigenschaften – ein Synonym für Langzeitstabilität und Präzision im schärfsten Einsatz.
Der Werkstoff 1.6959 weist eine hohe Festigkeit, hervorragende Zähigkeit und gute Verschleißbeständigkeit auf, durch die Nitrierbarkeit lassen sich harte, ermüdungsresistente Randschichten erreichen. Auch bei Tiefsttemperaturen bleibt der Werkstoff zäh und zuverlässig.
Bolzen aus 1.6959 (35CrNiMoV12-5) garantieren den sicheren Betrieb von Kranen weltweit.
Vergütungsstähle von BGH Edelstahl anfragen
Aufgrund der hohen Zug- und Dauerfestigkeit, des hervorragenden Verschleißwiderstands und der Zähigkeit ist Vergütungsstahl für dynamisch beanspruchte Teile im Maschinen- und Werkzeugbau, der Automobilindustrie und weiteren Branchen geeignet. Bei BGH erhalten Sie Vergütungsstähle, welche Ihre Anforderungen an spezielle mechanisch-technologische Eigenschaften erfüllen.
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf oder prüfen Sie die Verfügbarkeit unserer Standardabmessungen ab Lager.
Neben Vergütungsstählen bieten wir Ihnen auch unsere BGH One Marken, rost-, säure- und hitzebeständige Stähle, Werkzeugstähle sowie Nickel- und Sonderlegierungen an. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.